Foto: A. u. J. Hirt

Katastrophenschutz und Ehrenamt

Der hohe Stellenwert des Ehrenamtes

In NRW sind rund 6 Millionen Menschen ehrenamtlich aktiv. Im Kreis Soest sind 62 % der Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich tätig. Dieser Wert liegt weit über dem NRW-weiten Durchschnitt von 50 % und zeigt, wie herausragend engagiert die Bevölkerung hier ist. Die jüngste Umfrage zeigt, die Ehrenamtlichen leisten im Kreis Soest 215,1 Stunden pro Jahr in ihrer ehrenamtlichen Funktion. Das entspräche bei einem fiktiven „Lohn“ von 12 € pro Stunde einem Gesamtwert von 400 Millionen Euro! Daraus ist leicht zu erkennen, die geleistete Arbeit ist nicht nur unbezahlbar, das Ehrenamt ist Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Solidarität. Ohne die zahlreichen Aktiven hätten wir im Kreis ein gravierendes Problem.

 

19 % der ehrenamtlich Aktiven im Kreis Soest betätigen sich freiwillig beim THW, der Feuerwehr oder den Hilfsorganisationen. In dem System der Gefahrenabwehr sind nur wenige hauptamtliche Menschen tätig. Für einen funktionierenden Katastrophenschutz ist daher das Ehrenamt in den verschiedenen Organisationen unerlässlich. Das ehrenamtliche Engagement darf nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Die Aktiven verwenden viel Zeit und Energie für den Schutz von uns Bewohnern des Kreises Soest, ebenso für unser Hab und Gut sowie die Tiere und unsere Umwelt. Wir müssen das Ehrenamt stärken und unterstützen, damit unsere Gefahrenabwehr weiterhin schlagkräftig und die Mitarbeit der Freiwilligen attraktiv bleibt. Die Würdigung der Aktiven ist dazu sehr wichtig.

Selbstverständlich gibt es das Ehrenamt auch in weiteren Bereichen: Den Löwenanteil besitzt der Bereich „Sport und Bewegung“; 34 % der Ehrenamtlichen sind dort aktiv. Es darf nicht unterschätzt werden, welchen wichtigen Anteil die Sportvereine an der Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung haben. Ebenso fördern Sportvereine die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das Vereinsleben ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unserer Kultur.

21 % der ehrenamtlich Aktiven engagieren sich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, wie der Hausaufgabenhilfe und Jugendgruppen. Hinzu kommen 11 % für organisatorische Aufgaben in Schule und Kita. Das zeigt uns die große Bereitschaft zur freiwilligen Förderung unseres Nachwuchses. Es handelt sich dabei um einen wertvollen Beitrag zur Investition in die Zukunft: Unsere Kinder.

Die herausragende Solidarität zeigt sich auch gegenüber unseren Seniorinnen und Senioren. 17 % der Ehrenamtlichen sind im Bereich der Wohnfahrt tätig, wie z.B. die AWO und kirchliche Einrichtungen. 9 % unterstützen ältere oder erkrankte Menschen.

Die weiteren definierten Bereiche sind Kultur, Kunst und Musik mit 16 %, Nachbarschaftshilfe und Kleingartenvereine mit 10 %,  Kommunalpolitik mit 8 % sowie der Sektor Umwelt und Naturschutz mit 5 %.

 

Ohne das Ehrenamt würde das Leben im Kreis Soest, so wie wir es kennen, nicht funktionieren. Die Arbeit, die die ehrenamtlich engagierten Bürger aus dem Kreis leisten, ist unbezahlbar. Dies gilt es zu erhalten, zu fördern und auszubauen.

 

Unsere Lösungswege:

  • Entschlackung von Antragsverfahren für Förderprogramme des Landes. In der Praxis sind die bürokratischen Aufwände zur Beantragung von Fördergeldern so umfangreich, dass es für ehrenamtlich Aktive zeitlich kaum realisierbar ist.
  • Verringerung von Haftungsrisiken für ehrenamtlich Aktive in Zusammenarbeit mit dem Bund.
  • Weiterentwicklung der Angebote und Zugangsmöglichkeiten für die Ehrenamtskarte.
  • Politische Maßnahmen zum Schutz von Einsatzkräften gegen gewalttätige Übergriffe müssen weiter strikt vorangetrieben werden.
  • Einsatzkräften muss hochwertige Ausstattung sowie umfangreiche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, um die Aufgaben zielgerichtet und sicher wahrnehmen zu können. Neben der Beschaffung von moderner Ausstattung, wie Fahrzeuge und Gerät, müssen auch Einrichtungen, wie Feuerwehrhäuser, modernisiert und unfallsicher ausgebaut werden.
  • Erleichterung der beruflichen Freistellung von ehrenamtlich Aktiven in der Gefahrenabwehr.
  • Attraktivierung der Kommunalpolitik durch Sitzungszeiten, die von Berufstätigen wahrgenommen werden können, und Möglichkeit, Termine digital stattfinden zu lassen.

 

Vereine und Institutionen brauchen stets Nachwuchs. Orte ohne attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze bieten nur wenig Anreiz für Jugendliche und Erwachsene vor Ort zu bleiben. Daher sind Investitionen in Infrastruktur, Mobilität und Wirtschaftsstandorte integraler Bestandteil der Ehrenamtsförderung. Vor dieser Aufgabe werden wir natürlich nicht zurückschrecken, denn Landespolitik erstreckt sich auch auf den ländlichen Raum.

Zusätzlich werden wir die Fördersätze für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) an das Bundesniveau vom Bundesfreiwilligendienst (BFD) anpassen. Für die Dienstleistenden werden wir die kostenlose Nutzung des ÖPNVs ermöglichen.

Schutz für die Bevölkerung im Kreis Soest

Das Jahr 2021 hat bewiesen, dass die Folgen des Klimawandels verheerende Schäden anrichten können. Auch der Kreis Soest blieb nicht verschont. Für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger sind wir auf einen funktionierenden Katastrophenschutz angewiesen.

Katastrophenschutz ist eine zentrale gesetzliche Aufgabe des Landes im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr. Bei uns ist der Kreis Soest als sog. untere Katastrophenschutzbehörde für den Schutz bei größeren Unglücksfällen oder Katastrophen verantwortlich. Dafür greift er auf die Feuerwehren der Kommunen, den Rettungsdienst des Kreises und auf die bundesweit agierenden Hilfsorganisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz, den Malteser Hilfsdienst, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, zurück. Auf Kreisebene gibt es für den Großschadenslagen und Katastrophen weiterhin sog. „Regieeinheiten“, wie die Psychosoziale Notfallversorgung.

 

Wirksame Kommunikation

Damit im Katastrophenfall der Krisenstab auf Landesebene wirkungsvoll tätig werden kann, sind Einsatzmittel zur Kommunikation und Lagedarstellung erforderlich. Führungsstrukturen müssen auf allen Ebenen funktionieren. Dazu gehören auch Kommunikationsmittel. Es darf nicht sein, dass Ehrenamtliche alarmiert, aber nicht eingesetzt werden. Ebenso muss jederzeit sichergestellt sind, dass Einsatzkräfte kommunizieren können.

 

Unsere Lösungswege:

  • Es wird landesweit eine einheitliche Stabs- und Leitstellensoftware beschafft, damit es zwischen dem Kreis, der Bezirksregierung und dem Land keine Reibungsverluste gibt.
  • Festnetz-Anschlüsse, Mobilfunknetze und Digitalfunk können bei länger anhaltenden Stromausfällen ausfallen. Durch die Bereitstellung von satellitengestützter Technik wird eine Rückfallebene geschaffen, die die Ausfälle auffängt.
  • Das Land wird die Verwundbarkeit eigener Einrichtungen und Liegenschaften der kritischen Infrastruktur systematisch untersuchen, Mängel identifizieren und abstellen.

 

Vorsorge treffen

Die Versorgung von Betroffenen von Katastrophen muss sichergestellt werden. Nötige Ressourcen sind oft nicht vorrätig und müssen im Falle der Fälle erst aufwendig beschafft werden. Vorausschauende Ressourcenplanung und -vorhaltung der Behörden ist daher genauso wichtig, wie die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung durch Vorräte. Die Warnung der Bevölkerung ist dabei von großer Bedeutung, damit in Notsituationen keine Zeit verloren geht und schnell gehandelt werden kann.

 

Unsere Lösungswege:

  • Die nötigen Ressourcen für die Bewältigung von Katastrophen müssen im Fall der Fälle schnell greifbar sein. Dafür brauchen wir Materialvorhaltungen in Katastrophenschutzlagern, wie Masken, Feldbetten und Trinkwasser.
  • Ein großes Risiko als Folge von Naturkatastrophen ist ein flächendeckender und andauernder Ausfall der elektrischen Energieversorgung. Damit die Behörden auch in diesem Fall handlungsfähig bleiben und Notunterkünfte für die Bevölkerung zur Verfügung stehen, müssen Notstromversorgung geschaffen werden. Dies gilt auch für Einrichtungen der medizinischen Versorgung und der Pflege.
  • Für die Warnung der Bevölkerung müssen flächendeckend mehrere Kommunikationswege parallel genutzt und diese ausgebaut werden. Dazu gehören Sirenen, Apps und Cell-Broadcast und der Rundfunk.

Psychologische Hilfe für Einsatzkräfte

Traumatische Erlebnisse von betroffenen Opfern und hilfeleistenden Aktiven müssen professionell aufgearbeitet werden. Teams der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) und der Psychosozialen Unterstützen (PSU) leisten dafür wertvolle Beiträge.

 

Unsere Lösungswege:

  • Einheiten der PSNV und PSU müssen flächendeckend im Land verfügbar sein, damit Hilfe schnell und unkompliziert zur Verfügung steht.
  • Die Einheiten müssen als Bestandteil der Gefahrenabwehr anerkannt werden, damit sie auch außerhalb von Katastrophenlagen für Opfer und Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Ein Anspruch auf Freistellung und Lohnfortzahlung im Einsatzfall muss gesetzlich verankert werden.

 

Packen wir es an!

Für alle genannten Maßnahmen sind Investitionen notwendig. Diese können nicht nur durch den Kreis, die Kommunen und die Bevölkerung getätigt werden. Das Ehrenamt ist unbezahlbar und bedarf besonderer Förderung für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Das Land trägt weiterhin die Verantwortung für den Katastrophenschutz und muss daher die verschiedenen Akteure im Bereich der Investitionen und der Organisation der Gefahrenabwehr unterstützen.

Ich sehe es als zentrale Aufgabe der Politik an, die nötige Unterstützung des Landes auf den Weg zu bringen. Dafür brauchen wir einen offenen Dialog aller Beteiligten. Ich möchte diese Aufgabe wahrnehmen, damit ehrenamtliche Arbeit Wertschätzung erhält und dieser wertvolle Beitrag für unsere Gesellschaft erhalten beleibt. Ebenso möchte ich durch strukturierte Maßnahmen den Katastrophenschutz in NRW stärken, um die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Soest zu schützen.